Es gibt nicht mehr sehr viele aktive Basketballer in Deutschland, die gegen NBA-Superstar Dirk Nowitzki auf dem Feld gestanden haben. Einer davon spielt in der kommenden Saison für den Basketball-Regionalligisten BSV Wulfen. Mit dem 33-jährigen Flügelspieler Jan Sprünken angelte sich der BSV einen Erstliga-erfahrenen Routinier, der in den Planungen von Trainer Philipp Kappenstein und vom sportlichen Leiter Volker Cornelisen genau das entscheidende Mosaiksteinchen ist.  

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Jan Sprünken bei der Vorstellung
im Wulfener Autohaus Borgmann
Vier Spielzeiten in der BBL, 73 Spiele in der 1. Basketball-Bundesliga, sieben Jahre in der 2. Basketball-Bundesliga, zwei Zweitliga-Meisterschaften und damit zwei Erstliga-Aufstiege – Jan Sprünken kann auf eine bewegte Basketball-Karriere zurückblicken. Dass diese ausgerechnet im beschaulichen Wulfen ausläuft, ist bemerkenswert. Denn als der 1,91 m große Flügelspieler vor zwei Jahren vom Erstligisten SSV ratiopharm Ulm in seine Heimatstadt Münster zurückkehrte, war damit nicht zurechnen. Doch nun will Ex-Profi Sprünken seine Erfahrung für das blutjunge Wolfsrudel von Philipp Kappenstein in die Waagschale werfen.

 „Ich freue mich auf die kommende Saison. Die Liga kenne ich aus dem letzten Jahr mit dem UBC. Philipp Kappenstein kenne ich seit meiner Jugend. Ich glaube, wir können als Team etwas bewegen“, sagt der Student der Medienwissenschaft und Kunstgeschichte. An der Ruhr-Uni Bochum steht Sprünken gerade vor dem Bachelor-Abschluss, an der WWU Münster soll noch der Master folgen. Dass er in Wulfen nun einen Trainer hat, der noch zwei Jahre jünger als er selbst ist, stört Jan Sprünken überhaupt nicht: „Ich habe mitbekommen, welch hervorragende Arbeit Philipp in Wulfen leistet. Da ist es völlig egal, wie alt er ist und dass er früher in Münster immer eine Jugend tiefer gespielt hat als ich.“

Kappenstein hatte den Kontakt zu Jan Sprünken hergestellt, als sich abzeichnete, dass der Routinier seinen Stammverein UBC Münster wieder verlassen wird. Den UBC hatte Sprünken 2009 zurück in die 1. Regionalliga geführt. Mit dem UBC war er im Januar 2010 auch am 82:78-Sieg in der Petrinumhalle gegen Wulfen beteiligt, der beim BSV das Straucheln im Aufstiegskampf einleitete. Sprünken erzielte da 13 Punkte und drei Dreier - etwas über seinem Saisonschnitt von 11,2 Punkten und 2,3 Dreiern.

Und die Geschichte mit Nowitzki? Das war im DBB-Pokal 1998. Der 21-jährige Sprünken und der TSV Quakenbrück trafen auf TSK Würzburg mit dem 19-jährigen Dirk Nowitzki. Der war zwar schon in die NBA gedraftet, wegen eines Spielerstreiks in der US-Profiliga hielt er sich aber in seiner Heimat Würzburg fit. Der überragende Nowitzki führte die Mainfranken mit 33 Punkten zum 77:74-Sieg bei den Artland Dragons. Am nächsten Tag schrieben die Zeitungen, dass Nowitzki bei Würzburg und Sprünken bei Quakenbrück überragten. „Ich habe den Zeitungsartikel leider weggeworfen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Nowitzki solch ein Weltstar wird“, lächelt Jan Sprünken heute. Das Pokalspiel von einst ist längst in die Vereinshistorie der Artland Dragons eingegangen.

Sprünkens Trainer damals: Toni Bevanda. Der Mann, der von 1990 bis 1995 als Spielertrainer des BSV Wulfen aktiv war und große Erfolge feierte, ist einer von drei Trainern, die Jan Sprünken am meisten geprägt haben: „Bruno Soce in der Jugend vom UBC Münster hat uns das „eins gegen eins“ beigebracht. Toni Bevanda hat uns gezeigt, wie man „5 gegen 5“ Basketball spielt. Und Mike Taylor in Ulm hat eine ganz neue Art des Basketballs vermittelt“, blickt Jan Sprünken auf eine lange Karriere zurück. Eine Karriere, die nun ausgerechnet beim BSV Wulfen ausklingt.

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Foto: Dorstener Zeitung 
Die Stationen von Jan Sprünken

vor 1995: UBC Münster, Jugend

95/96: UBC Münster, 2. Regionalliga

96/97: TG Schwelm, 1. Regionalliga (unter Toni Bevanda)

97/98: VfL Bochum, 2. Liga Nord (unter Toni Bevanda)

98/99: Artland Dragons Quakenbrück, 2. Liga Nord (unter Toni Bevanda)

99/00: Artland Dragons Quakenbrück, 2. Liga Nord (unter Toni Bevanda)

00/01: Telekom Baskets Bonn, 1. Liga, Deutscher Vizemeister

  13 Spiele, 5:00 min. Spielzeit im Schnitt, 1,4 Pkt., 2 Punkte im Finale gegen Alba Berlin

01/02: Schwelmer Baskets, 2. Liga-Nord

02/03: Schwelmer Baskets, 2. Liga-Nord

03/04: Schwelmer Baskets, Meister 2. Liga Nord, Aufstieg in die BBL

04/05: Union Baskets Schwelm, 1. Liga, Abstieg

  25 Spiele, 14:30 min. im Schnitt, 5,3 Pkt., 19 Pkt. gegen Bamberg, 4 Dreier gegen Braunschweig

05/06: ratiopharm Ulm, Meister 2. Liga Süd, Aufstieg in die BBL

  30 Spiele, 16:00 min. im Schnitt, 7,0 Pkt.

06/07: ratiopharm Ulm, 1. Liga, Platz 12

  19 Spiele, 7:30 min. im Schnitt, 2,4 Pkt.

07/08: ratiopharm Ulm, 1. Liga, Platz 11

  16 Spiele, 6:00 min. im Schnitt, 2,0 Pkt.

08/09: UBC Münster, Meister 2. Regionalliga Westfalen, Aufstieg in die 1. Regionalliga

09/10: UBC Münster, Platz 10

  25 Spiele, 27:00 min. im Schnitt, 11,3 Pkt., 2,3 Dreier, 49,5% Dreier (49/99)        

4 Jahre BBL, 7 Jahre 2. Liga, 1 Jahr 1. Regionalliga, 2 Jahre 2. Regionalliga

 
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