
Punktgenau zum vermeintlichen Saisonhöhepunkt haben die Regionalliga-Basketballer des BSV Wulfen ihre beste Saisonleistung abgerufen und die Tür zum Finaleinzug der Regionalliga-PlayOffs einen großen Spalt aufgestoßen. Beim hohen Titelfavoriten BBA Hagen gewinnen die Münsterland Baskets des BSV am Samstagabend auswärts mit 90:79 (40:40) und gehen in der best-of-three-Serie mit 1:0 in Führung. Am Freitag (24. April 2026, 20.00 Uhr, Gesamtschulhalle Wulfen) hat der BSV damit vor heimischem Publikum einen Matchball zum Finaleinzug. Der Tabellensechste hat die Chance, den Tabellenzweiten aus dem Aufstiegsrennen zu werfen. Parallele Ereignisse deuten sich im zweiten Halbfinale an: Da gewann der Tabellenachte SV 70 Haspe am Samstag mit 85:73 beim Vierten in Herford und steht wie der BSV Wulfen einen Sieg entfernt vom sensationellen Finaleinzug.
Die Münsterland Baskets lieferten in der Hagener Otto-Densch-Halle ein Bravourstück ab, eine meisterliche Leistung im Halbfinale. Wie vor vier Jahren in Bonn, als Wulfen erstmals ins PlayOff-Halbfinale der Regionalliga West eingezogen war, raubte der Außenseiter dem Tabellenzweiten der Hauptrunde den Heimvorteil. Auch vor zwei Wochen im Viertelfinale hatte das Team von Trainerfuchs Gary Johnson auswärts in Ibbenbüren gewonnen und dann freitags vor eigenem Publikum dem Favoriten den KO-Schlag versetzt. Diese Geschichte soll sich am kommenden Freitag wiederholen, die Halle am Wulfener Markt wird aus allen Nähten platzen. Tickets gibt es ab sofort online.
Der Auftritt der Münsterland Baskets in der Eilper Rundsporthalle war souverän, über 100 Schlachtenbummler aus dem Norden Dorstens hatten den Weg nach Hagen mitgemacht und sorgten mit ihrer Unterstützung für Heimspiel-Atmosphäre im Hagener Süden. Dass die BSV-Spieler auch noch in ihren weißen Heimtrikots aufliefen, passte zur Stimmung auf den Rängen – die Halle war fest in der Hand der BSV-Fans. Weiß trugen die BSV-Spieler, weil die roten Auswärtstrikots farblich zu nah an den orangefarbenen Heimtrikots der Gastgeber lagen.
Eine schnelle 5:0-Führung des Favoriten brachte den BSV nicht aus dem Tritt. BSV-Spielmacher Felix Kwast an alter Wirkungsstätte –der 22-Jährige entstammt der Jugend der BG Hagen– und vier Freiwürfe von Alexander Winck stellten das Resultat auf 6:6, Leon Oshodin besorgte zum 8:6 die erste BSV-Führung und dann setzte Wulfens einziger Importspieler zum „Solo“ an: Paul Lunguana erzielte die nächsten 13 Wulfener Punkte in Serie, dreimal versenkte der Guard aus der Distanz (ungewöhnlich für seine Spielweise) und plötzlich führte der Underdog mit 21:13. Der BSV war nun in den Köpfen des Gegners, zum Start des zweiten Viertels (24:19 für Wulfen) erhöhten Winck und Kwast per Dreier auf 30:19. Überhaupt war die grandiose Trefferquote bei den Drei-Punkte-Würfen – am Ende 55 Prozent – einer der Garanten für den BSV-Erfolg. Kapitän Nils Strubich versenkte von Downtown zum 39:26, beim 40:26 durch Lunguana war die höchste BSV-Führung hergestellt. Doch mit einer Umstellung auf Zonendeckung und einem 12:0-Run bis zur Halbzeitsirene kam die BBA wieder ins Match, Winterneuzugang Till Hornscheidt markierte in dieser Phase acht der zwölf Hagener Punkte.
Beim 40:40 zum Seitenwechsel war wieder alles auf Null gestellt und nicht Wenige in der Halle rechneten nun damit, dass das auf dem Papier ungleiche Kräftemessen seinen vorbestimmten Lauf nehmen würde. Die mit fünf Profibasketballern gespickte Truppe vom Erstliga-erfahrenen Trainer Ingo Freyer ging dann auch 46:42 (22.) und 51:47 (24.) in Führung. Aber die eingeschworene Gemeinschaft aus Wulfen, das seit dem Sommer unverändert als Mannschaft agierende Wolfsrudel, biss sich am Gastgeber fest. Leon Oshodin mit zwei Dreiern hielt den Anschluss, Felix Kwast für drei machte den 53:53-Ausgleich. Ein Gamechanger war dann der Dreier von Jonas Peters zum 60:60-Ausgleich, bei dem der Scharfschütze auch noch gefoult wurde. Den Bonuswurf traf der ältere der Peters-Brüder zum 61:60 für Wulfen, ein seltenes Vier-Punkte-Spiel. 68:64 führte das Johnson-Team nach drei Vierteln.
Und diese knappe Führung gaben die Wölfe nicht mehr her, standen im Schlussviertel in einem Hagener Foulfestival nicht weniger als 21 Mal an Freiwurflinie, auch weil sich die Hagener Mannschaft angesichts der drohenden Niederlage drei technische Fouls und ein unsportliches Foul leistete. Von den 21 Versuchen von der Linie versenkte das Johnson-Team 18 Freiwürfe – das war der Grundstein zum Sieg. Mit ihrer starken Defense zermürbten die Wulfener das Hagener Starensemble, die beiden einzigen Feldkörbe erzielte der BSV durch Alex Winck und Felix Kwast in der 33. bzw. 34. Minute zum 75:68. Routiniert und diszipliniert brachte das Johnson-Team den Auswärtssieg über die Ziellinie.
Auf der Bank freute sich Neo Križanović mit, der vor acht Tagen beim Sieg über Ibbenbüren einen Achillessehnenriss erlitt und einige Monate ausfällt. Aber genau das zeichnet den Wulfener Teamspirit aus – jeder ist bei Erfolgstrainer Gary Johnson ein Puzzlestück des Mannschaftserfolgs – am Samstag in Hagen auch die beiden Youngster Piet Jaffke und Destiny John, die nach dem Spitzenspiel der der Zweiten Mannschaft gegen Kinderhaus nach Hagen hinterhergefahren waren. Bei Hagen schafften nur die beiden Importspieler Stephens und Okpoh eine zweistellige Effektivität, bei Wulfen war die Mannschaft der Star mit sechs Spielern mit zweistelliger Effektivität. Die Bankspieler der BBA steuerten insgesamt 5 Punkte zum Endergebnis bei, beim BSV waren es mehr als dreimal so viel – genau das machte den Unterschied aus.
Noch ist für die Münsterland Baskets nichts gewonnen, für den Finaleinzug braucht es einen zweiten Sieg über die BBA – am besten am Freitag in der Gesamtschulhalle (Tickets im Vorverkauf NUR online!). Ein mögliches drittes Match fände am Sonntag wieder in der Otto-Densch-Halle in Eilpe statt (26. April 2026, 16.00 Uhr). Am Samstag gewann der BSV Wulfen zum ersten Mal seit April 2022 wieder ein PlayOff-Halbfinalspiel, damals unterlag der BSV erst im Finale der BBG Herford. Die Halbfinal-Duelle gegen die späteren ProB-Aufsteiger ETB SW Essen und Hertener Löwen endeten jeweils 0:2. Der Traum vom Finaleinzug des BSV Wulfen lebt.
BBA: Liam Pauli, Elijah Stephens (20, 7 Reb, 8 Assists), Prince Kamunga (8/1, 6 Reb.), Luis Ohrmann, Fiete Springer (2), Till Hornscheidt (16/2), Moritz Hübner (3), Lasse Dresel, Ole Strauss, Bryce Okpoh (19, 15 Reb.), Viktor Ziring (11/3). BSV: Alexander Winck (10/1, 4 Assists, 4 Steals), Piet Jaffke, Neo Križanović (verletzt), Nils Strubich (3/1), Leon Oshodin (12/3, 5 Reb.), Jonas Peters (8/1), Paul Lunguana (27/3, 7 Reb., Eff. 37), Laurits Wilke (6), Nils Peters (5, 7 Reb.), Destiny John, Lukas van Buer, Moe Sahin, Felix Kwast (19/2, 5 Assists). Schiedsrichter: Nils Bergenthum (Bochum), Jan-Niklas Ranff (Düsseldorf). Technischer Kommissar: Thomas Pohl (Alpen). Zuschauer: 600.